Am sechsten Tag nach dem Neujahrs-Vollmond mit einer goldenen Sichel geschnitten und in weißen Tüchern gefangen, so haben die Kelten ihr heiliges Kraut geerntet. Das mit der goldenen Sichel weiß natürlich jeder der Asterix und den Druiden Miraculix kennt und um die Wirkung des Zaubertranks weiß. Für die Kelten sorgte die Mistel nicht nur für Stärke sondern auch noch für Furchtlosigkeit und Resistenz gegen allerlei Übel und Gifte, darüber hinaus für Fruchtbarkeit. Zumindest reicher Kindersegen kann Asterix nicht nachgesagt werden.
Nicht nur die Fantasie der Kelten wurde durch die Misteln beflügelt, auch die dichtenden Griechen vertrauten ihr, als Schutz vor den Mächten der Unterwelt, und im Nibelungenlied verleiht die goldene Rute (Misteln werden bei Trockenheit gelb) ihrem Besitzer Allmacht. Noch vor gar nicht so langer Zeit vertrauten unsere Urgroßeltern den Misteln als Schutz vor Blitz und Feuer.
Auch als Heilkraut war und ist die Mistel beliebt. Frühere Kräuterbücher empfehlen sie zur Heilung von Geschwüren und Ekzemen, Mittelohrentzündung, Fallsucht, Krämpfen und nervösen Zuständen. Heute spielt sie eine unterstützende Rolle in der Krebstherapie.
Für Obstgehölze sind Misteln ein riesiges Problem. Sie entziehen dem Baum Nährstoffe und Wasser so lange bis der Ast oder im schlechtesten Fall, der ganze Baum abstirbt.
Die Misteln sind Halbschmarotzer weil sie einen Teil Ihrer Energie durch Photosythese selbst erzeugen können. Wasser und andere Nährstoffe entziehen sie ihrem Wirtsbaum.

Vögel helfen den Misteln bei ihrer Verbreitung, entweder weil sie sie fressen und auf anderen Bäumen ausscheiden oder die klebrigen Mistelsamen im Gefieder mit sich tragen und verbreiten.
Sobald der Mistelsamen einen Baum erreicht hat verankert er sich und bildet Wurzeln. Diese arbeiten sich bis zum Kambium (Wachstumsschicht) des Wirtsbaums vor, von dort aus strecken sich die Wurzeln ins Xylem (der wasserführenden Schicht in der Baumrinde) aus und schieben sich immer weiter den Ast oder sogar Baum entlang. Baum und Mistel sind nicht mehr zu trennen. Für den Baum ist das eine schwere Bürde und führt oftmals zum Absterben von Ästen.
Der Klimawandel ist für Misteln Fluch und Segen zugleich. Sie finden mehr Wirte, da die Bäume oft durch Trockenheit geschwächt sind und der tiefe Frost fällt aus, den sie nicht besonders gut vertragen. Weder als Pflanze und ganz besonders nicht zum Auskeimen im Frühling. Neben dem Klimawandel begünstigt die Änderung in der Bewirtschaftung von Streuobstwiesen die Verbreitung der Misteln. Zumindest in Süddeutschland wurden früher die Misteln sofort aus den Bäumen rausgeschnitten. Zum Teil wurden die Äste im Winter sogar mit einer Bürste bearbeitet um die Beeren loszuwerden.
Entgegen eines allgemein verbreiteten Gerüchtes sind Misteln keine geschützte Art.
Was bedeutet das für die Streuobstwiese Mühlenkampstraße?
Viele Bäume auf der Streuobstwiese sind von Misteln befallen, auch erst kürzlich gepflanzte. Besonders die jungen Bäume leiden unter dem Mistelbefall, auch wenn er bei ihnen im Sommer schwer zu erkennen ist. Der Mistelbefall schwächt ihr Wachstum, ihre Krone ist ganz dünn mit Laub bewachsen. Die alten Bäume mit starkem Mistelbewuchs, davon gibt es leider einige, tragen teilweise schon viele abgestorbene Äste, oftmals sind sie nicht zu retten.
Die Misteln müssen entfernt werden und durch Baumschnitt müssen befallene Äste soweit möglich abgesägt werden.
Weiterführende Links:
Heilsamer Halbschmarotzer? Mythen und Fakten über die Mistel – [GEO]


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