Zucht oder Zufall.
Äpfel können sich nicht innerhalb der eigenen Sorte befruchten, sie sind selbststeril. Wenn ich meinen Lieblingsapfel also vermehren möchte geht das nicht über die Apfelkerne. Denn in den Apfelkernen liegen wie beim Menschen die Gene der Vater- und der Muttersorte vor und so werden die Früchte der jungen Apfelbäume niemals nur wie die Vater- oder die Muttersorte schmecken oder aussehen.
Wie kommt es also zu einer neuen Apfelsorte? Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder der Mensch plant, das heißt er züchtet ganz bewusst eine neue Sorte oder der Zufall entscheidet.
Züchtung
Wenn der Mensch plant wählt er Vater- und Muttersorte aus bewährten Apfelsorten aus, er achtet natürlich auf den Geschmack und das Aussehen der Frucht. Daneben sind noch die Reifezeit, Lager- und Transportfähigkeit oder die Resistenzen gegen Krankheits- und Schädlingsbefall wichtige Kriterien.
Wenn der Züchter sich für eine Vater- und eine Muttersorte entschieden hat, dann bringt er auf die Blütennarbe der Muttersorte mit einem Pinsel den Pollen der Vatersorte auf. Nun muss er warten bis die Frucht im Spätsommer oder Herbst ausgereift ist und geerntet werden kann.
Nach der Ernte werden die Apfelkerne entnommen und in Saatschalen ausgesät. Nun beginnt der lange Weg der Selektion. Sagen wir einmal es werden 10.000 Apfelkerne ausgesät. Daraus bleiben bis zum 5. Jahr 8000 Sämlinge übrig.
2000 Sämlinge werden als so gut befunden, dass sie auf eine Unterlage veredelt werden.
Bis zur ersten Ernte heißt es wieder Geduld haben, Jahr für Jahr werden die Sämlinge geprüft und es wird protokolliert wie sie mit Trockenheit, Krankheiten und Schädlingen auskommen. Und es wird weiter gesiebt und die Besten ausgewählt.
Nach der ersten Ernte wird gekostet, Farbe, Größe, Form, Lagerfähigkeit, Konsistenz des Fruchtfleisches werden geprüft und wieder gibt es die Gewinnersorten die weiter im Rennen bleiben.
Die nächsten 10 Jahre wird weiter selektiert, das ist notwendig weil die Bäume jedes Jahr mit anderen Bedingungen auskommen müssen. Späte Kälteeinbrüche, Schädlinge oder Krankheiten und Trockenheit haben großen Einfluß auf den Ernteertrag oder den Geschmack und das Aussehen der Früchte.
Nach 20 Jahren entsteht so aus 10.000 Kernen eine einzige neue Apfelsorte mit eigenem Namen.
Obstzüchterinnen und -züchter sind wirklich geduldige Menschen mit einem unglaublich langen Atem.
Zufallsfunde
Früher wurde der Trester, das sind die Reste aus der Saftpressung, gerne als Dünger auf die Äcker gebracht. Beim Transport verloren gegangen oder außerhalb des Bearbeitungsbereichs, an den Ackerrändern hatten die Apfelkerne so die Möglichkeit zu keimen und zu Apfelbäumen heranzuwachsen.
Naschkatzen und aufmerksame Beobachter haben so nach und nach neue, zufällig entstandene Sorten entdeckt.
Durch die Vermehrung der leckeren, beliebten Sorten durch Edelreiser entstanden neue Bäume. Gerne wurde solche Edelreiser an Freunde und Nachbarn weitergegeben. Es entstanden zum Teil Sorten die in klar umrissenen Gebieten vorkamen und dort sehr beliebt waren. Natürlich waren diese auch hervorragend an den Standort angepasst.
Eine dieser lokalen Sorten ist der Boikenapfel der wahrscheinlich von dem Deichvoigt Boike rund um Bremen verbreitet wurde.
Zufallsfunde sind heute seltener geworden weil wir der Natur weniger Raum und Fläche für zufälliges Wirken zur Verfügung stellen. Benjeshecken können sehr gute Räume für neue Zufälle sein.


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