An einem kühlen Herbstnachmittag schlich sich Emma in den alten Gewölbekeller ihres Großvaters. Dort lagerten Kisten voller Äpfel, deren süßer Duft die Luft erfüllte. Als Emma tief einatmete, wurde ihr auf einmal ganz schwindelig. Sie schloss die Augen – und als sie sie wieder öffnete, war alles anders.
Sie stand in einem großen, steinernen Raum, der nach Holz, Wachs und frischen Äpfeln roch. An den Wänden hingen Regale voller getrockneter Kräuter. Auf den Regalen an den Wänden des Kellers lagerten viele Äpfel, und ein Mann in einer braunen Kutte beugte sich über einen Holztisch. Er blickte auf und lächelte.
„Ah, Besuch! Willkommen im Kloster, mein Kind. Ich bin Bruder Anselm. Wie kommst du hierher?“
Emma stammelte: „Ich… ich weiß es nicht. Ich war in Opa Wilhelms Keller und dann… bin ich einfach hier!“
Bruder Anselm nickte, als wäre das gar nicht so überraschend. „Vielleicht hat der Duft der Äpfel dich hierhergebracht. Weißt du, wir Mönche züchten und veredeln Apfelbäume. Wir sorgen dafür, dass gute Apfelsorten nicht verloren gehen.“
Er nahm einen Apfel und schnitt ihn auf. „Schau, dieser Apfel stammt von einem Baum, den wir vor vielen Jahren durch Veredelung gezogen haben. Dabei fügen wir einem jungen Baum einen Zweig von einem bewährten Apfelbaum hinzu. So wächst er mit den besten Eigenschaften weiter.“
Emma staunte. „Und ihr macht das schon lange?“
Bruder Anselm nickte. „Ja, seit wir dieses Kloster gegründet haben. Wenn wir neue Klöster errichten, nehmen wir Setzlinge und Edelreiser mit, damit die besten Äpfel auch an anderen Orten wachsen können. So tragen unsere Obstbäume die Geschichte unseres Klosters weiter. Vielleicht stammen sogar die Äpfel deines Großvaters von unseren alten Sorten.“
Emma war fasziniert. Sie wollte noch mehr fragen, doch plötzlich wurde ihr wieder schwindelig. Der Raum verschwamm vor ihren Augen, und als sie blinzelte, stand sie wieder im Keller ihres Großvaters. Der Apfelduft war noch da, aber Bruder Anselm war verschwunden.
Lächelnd nahm Emma einen Apfel aus einer Kiste. War es möglich, dass dieser Apfel eine Geschichte aus einer fernen Zeit in sich trug? Sie beschloss, Opa Wilhelm davon zu erzählen – vielleicht wusste er ja mehr über die alten Apfelsorten, die sie gerade erst kennengelernt hatte.


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